Sonderregelung zu Entlastungsbeträgen läuft aus

Pflegebedürftige aller Pflegegrade haben Anspruch auf Entlastungleistungen. Diese betragen aktuell 125 Euro pro Monat. Viele Angehörige wissen leider nicht, dass Ihnen diese zur Verfügung stehen und nutzen die Entlastungsleistungen nicht. Nutzt man diese nicht, bleiben sie als Guthaben stehen und können regelmäßig noch bis zum Juni des Folgejahres eingesetzt werden.

Eine Sonderregelung, die mit der letzten Pflegereform eingeführt wurde, läuft Ende 2018 aus:

Alle bislang nicht genutzten Beträge der Betreuungs- und Entlastungsleistungen bei bestehender Pflegebedürftigkeit seit dem 1.1.2015 können noch bis zum 31.12.2018 abgerufen werden. Dadurch können teilweise sehr hohe Summen zusammenkommen.

Fragen Sie also im Zweifelsfall bei der Pflegekasse nach, ob Sie noch Ansprüche auf diese Gelder haben. Wenn Sie Informationen darüber benötigen, wie Sie diese Gelder einsetzen können, berät Sie das Amiravita-Team gern.

ACHTUNG: Die Entlastungsbeträge aus 2017 verfallen ganz normal am 30.06.2018!

Die Pflegekassen beratschlagen noch wie diese Regel zusammen mit der Sonderregel für die Jahre 2015 und 2016 umgesetzt werden soll.

70 Euro pro Woche bei Fristüberschreitung der Pflegekasse nach Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung

Laut Gesetz (§18 SGB XI) ist die Pflegekasse verpflichtet, nach einem Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung bestimmte Fristen einzuhalten. Diese Frist beträgt unter normalen Bedingungen 25 Arbeitstage. Nach Ablauf dieser 5 Wochen ab dem Tag des Antrags muss die Pflegekasse mitteilen, ob eine Pflegebedürftigkeit anerkannt wurde und in welcher Höhe. Hält sie diese Frist nicht ein, muss sie 70 Euro pro Woche an den Pflegebedürftigen zahlen, bis die Entscheidung getroffen ist. Diese Frist gilt nicht, wenn die Verzögerung durch den Antragsteller hervorgerufen wurde, also weil man z.B. den ersten vorgeschlagenen Termin zur Begutachtung nicht wahrnehmen konnte.

Unverändert gelten unter folgenden Voraussetzungen diese noch kürzere Fristen:

Befindet sich der Antragsteller im Krankenhaus oder in einer stationären Rehabilitationseinrichtung und

  1. wenn zur Sicherstellung der ambulanten oder stationären Weiterversorgung und Betreuung eine Begutachtung in der Einrichtung erforderlich ist, oder
  2. pflegende Angehörige Pflegezeit nach dem Pflegezeitgesetz gegenüber dem Arbeitgeber der pflegenden Person angekündigt haben oder eine Familienpflegezeit vereinbart wurde

ist die Begutachtung dort unverzüglich, spätestens innerhalb einer Woche nach Eingang des Antrags bei der zuständigen Pflegekasse durchzuführen. Dies gilt auch dann, wenn der Antragsteller sich in einem Hospiz befindet oder ambulant palliativ versorgt wird.

Befindet sich der Antragsteller in häuslicher Umgebung, ohne palliativ versorgt zu werden, und Angehörige möchten Pflegezeit oder Familienpflegezeit in Anspruch nehmen, ist eine Begutachtung spätestens innerhalb von zwei Wochen nach Eingang des Antrags durchzuführen.

Unserer Einschätzung nach werden die Pflegekassen große Probleme damit haben, diese Fristen durchzusetzen. Deshalb achten Sie unbedingt selbst darauf, wann der Antrag abgesendet wurde

Neue Regeln für die Entlassung aus dem Krankenhaus

Wenn Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden, fühlen sich viele auf die Zeit im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt schlecht vorbereitet.

Obwohl das sogenannte „Entlassmanagement“ bereits seit 2012 Bestandteil der Versorgungsgesetzgebung war, gab es bislang in der Praxis erhebliche Mängel. Zum 01.10.2017 sind nun Änderungen des Rahmenvertrages Entlassmanagement in Kraft getreten. Ziel ist es, so heißt es in diesem Vertrag, „die bedarfsgerechte, kontinuierliche Versorgung der Patienten im Anschluss an die Krankenhausbehandlung zu gewährleisten“.

Das bedeutet, dass sich in Zukunft kein Krankenhaus mehr weigern kann, Rezepte über Medikamente, Verordnungen über häusliche Krankenpflege, für Hilfs- und Heilmittel und sogar eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei Bedarf für max. die ersten 7 Tage nach Entlassung auszustellen.

Der Patient hat ein Recht auf Entlassmanagement. Jedem Patienten muss ein solches angeboten werden. Wenn es keinen Bedarf gibt, muss ein entsprechender Vermerk in die Patientenakte eingetragen werden. Der Patient muss ausdrücklich sein Einverständnis zum Entlassmanagement mit seiner Unterschrift bekunden. Wenn Sie also pflegebedürftige Angehörige ins Krankenhaus bringen müssen, fragen Sie rechtzeitig vor der Entlassung nach einem Entlassmanagement. Denken Sie in diesem Zusammenhang auch bitte an die Ausstellung einer Vollmacht, damit Angehörige diese Unterschrift leisten können, wenn der Patient das nicht mehr kann (zum Beispiel aufgrund einer Demenzerkrankung).

Diese gesetzliche Entwicklung sehen wir von Amiravita positiv, weil es nun eine weitere rechtliche Grundlage gibt, auf die man sich berufen kann, wenn eine pflegebedürftige Person spontan entlassen werden soll.

Dennoch stehen wir der Umsetzung in die Praxis noch skeptisch gegenüber, da viele neue Aspekte sich erst einmal in die bestehenden Strukturen einfügen müssen. Wir sind dazu bereit unsere Kunden umfangreich auf die Besonderheiten im Krankenhaus vorzubereiten und Ihnen in der Situation selbst unterstützend zur Seite zu stehen.

Nachteile durch Pflegegrad 1

Alle hilfe- und pflegebedürftigen Menschen, die seit dem 01.01.2017 einen Antrag auf Leistungen der Pflegekasse gestellt haben, werden nach neuen Richtlinien begutachtet und in einen Pflegegrad eingestuft. Die neuen Begutachtungsregeln sind im Zuge des Pflegestärkungsgesetztes II Anfang dieses Jahrs eingeführt worden. Sie bestehen aus       64 Kriterien, die darüber entscheiden, ob und welchen Pflegegrad eine pflegebedürftige Person erhält. Es gibt Pflegegrad 1-5.

Die Leistungen der Pflegekasse beim niedrigsten Pflegegrad (Pflegegrad 1) sind leider sehr begrenzt. So bleibt den Betroffenen zum Beispiel der Anspruch auf ein Budget für die Finanzierung eines Pflegedienstes oder einer Tagespflegeeinrichtung verwehrt. Doch gerade solche Leistungen sind für Menschen, die aufgrund körperlicher oder geistiger Einschränkungen auf Hilfe angewiesen sind, sehr entscheidend.

Erste Statistiken haben gezeigt, dass etwa 33% der Personen, die einen Pflegegrad erhalten haben, in den Pflegegrad 1 eingestuft wurden. Das ist unserer Einschätzung nach ein besorgniserregend hoher Anteil an „Pflegebedürftigen“, die nur auf sehr begrenzte Unterstützung der Pflegekasse zurückgreifen können.

Zum Vergleich: Bei Pflegegrad 1 stehen der pflegebedürftigen Person 1.500 Euro zur Verfügung, die für Unterstützungsleistungen eingesetzt werden können (ohne Hilfsmittel). Bei Pflegegrad 2 können Betroffene 21.260 Euro für Pflege- und Unterstützungsleistungen pro Jahr einsetzen (ebenfalls ohne Hilfsmittel). Der Unterschied ist enorm.

Die finanziellen Einschränkungen führen mit dazu, dass die Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen sehr viel der Pflege selbst leisten müssen. Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf wird dadurch für viele Angehörigen zu einer großen Herausforderung.

In unseren Pflegeberatungen haben wir in diesem Jahr schon häufig erlebt, dass die Familie verzweifelt war, wenn nur ein Pflegegrad 1 anerkannt wurde. In vielen begründeten Fällen konnten wir die Betroffenen dabei unterstützen, einen Widerspruch gegen die Entscheidung einzulegen, um die Situation erneut beurteilen zu lassen.

Gerade weil das neue Begutachtungssystem sehr komplex ist, ist es für viele schwer nachzuvollziehen, wie der Unterstützungsbedarf Ihres Angehörigen dem Gutachter gegenüber am besten dargestellt werden muss.

Beschäftigte unserer Kunden können sich durch Gespräche mit den erfahrenen Amiravita-Beraterinnen optimal auf eine Begutachtung zur Einstufung in einen Pflegegrad vorbereiten. Das Wohlergehen unserer Kunden und deren pflegebedürftiger Angehöriger dient uns dabei als große Motivation.

 

 

Neuerungen und Unsicherheiten durch das Pflegestärkungsgesetz 2017

Mit dem 01.01.2017 sind viele Änderungen durch den zweiten Teil des Pflegestärkungsgesetzes in Kraft getreten: Viele Leistungen der Pflegekasse haben sich erhöht. Pflegebedürftige erhalten nun „Pflegegrade“ statt Pflegestufen. Es gibt neue Kriterien, die entscheidend sind, welchen Pflegegrad man erhält. Es wurde darauf geachtet, dass es nicht zu einer Benachteiligung der Anspruchsberechtigen kommt, die bereits vor 2017 Leistungen durch die Pflegekasse bezogen haben. Niemand darf im Jahr 2017 insgesamt weniger Leistungen erhalten als im Jahr 2016.

Auch wenn viele dieser Änderungen sehr begrüßungswert sind, fällt uns als Pflegeexperten auf, dass die Änderungen eine Reihe von Unklarheiten und Fragen mit sich gebracht haben. Vor allem das neuen Begutachtungssystem ist für viele Antragssteller und ihre Angehörigen undurchsichtig und schwer nachvollziehbar. Das neue Begutachtungssystem (NBA) ist mit seinen 64 Kriterien sehr komplex und wirft durch die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Kriterien in der Gesamtbewertung viele Fragen auf. Teils ist die Verunsicherung so groß, dass den Betroffenen nicht klar ist, ob überhaupt ein Antrag auf Leistungen der Pflegekasse gestellt werden sollte. Hierdurch kann sich die Pflegesituation weiter verschlechtern und die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf der Angehörigen zusätzlich erschwert werden.

Auch die Kommunikation der neuen Pflegekosten und Leistungen der Pflegekasse verläuft nicht optimal. Die Mitteilungen der Pflegeheime in Bezug auf den einheitlichen Eigenanteil, der seit 2017 von allen Pflegebedürftigen in gleicher Höhe geleistet werden muss, sind oft unverständlich geschrieben und können von den Betroffenen nur schwer nachvollzogen werden. Dadurch werden die Ängste vor zu hohen Heimkosten geschürt.

Der erhöhte Informationsbedarf, den wir von Amiravita in unseren Beratungsgesprächen erleben, motiviert uns zusätzlich, unser Wissen kontinuierlich auszubauen und es den Betroffenen in klarer und verständlicher Form zu vermitteln. Unser Ziel ist es, dazu beizutragen, dass die Unsicherheiten verschwinden und die pflegenden Angehörigen wissen, auf welche Leistungen ihre hilfebedürftigen Familienmitglieder einen Anspruch haben und wie sie diesen geltend machen können.

Wir freuen uns auf die neuen Aufgaben, die auf uns zukommen, und werden unsere Kunden auch im Jahr 2017 optimal unterstützen.

Neue Studie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bescheinigt Vorteile

Eine neue Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in Zusammenarbeit mit der Roland Berger GmbH befasst sich mit den Renditepotenzialen der neuen Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Danach gehören für 87,6 % der Beschäftigten mit pflegebedürftigen Angehörigen familienfreundliche Angebote zu den wichtigsten Kriterien für einen attraktiven Arbeitgeber.

Fakt ist, dass bereits heute die Zahl der Pflegebedürftigen höher ist, als die der Kinder unter drei Jahren. Und die Tendenz steigt. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes wird es im Jahr 2030 3,4 Millionen Pflegebedürftige geben, dies entspricht etwa 4,4 %. der Gesamtbevölkerung oder geschätzt dann allen Kindern unter 6 Jahren.

Maßnahmen zur neuen Vereinbarkeit von Familie und Beruf erzielten einerseits erwartungsgemäß positive Feedbacks der Mitarbeiter in der Bewertung des Arbeitgebers. Darüber hinaus entwickelten sich aber auch Standorts- und Wettbewerbsvorteile sowie positive Effekte auf Mitarbeitermotivation und Fluktuation. Dies ist im Hinblick auf den demografischen Wandel und den damit verbundenen zunehmenden Wettbewerb um Arbeitskräfte ein nicht außer Acht zu lassender Aspekt.

Daraus resultierend ergab sich weiter eine Verbesserung der Bewerberqualität, sowohl qualitativ wie auch quantitativ. Durch einen größeren Bewerberpool kann die Auswahl genauer erfolgen.

Und Familienfreundlichkeit wirkt sich nicht nur intern auf die Mitarbeiter aus, sondern kommt auch bei den Kunden positiv an. So kann sie durchaus zum Wettbewerbsvorteil werden.

Bleibt also festzuhalten, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf heute eine entscheidende Stellgröße für ein Unternehmen sein kann.

Das Amiravita-Team berät Sie gern zu allen Fragen rund um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Gemeinsam mit unseren Partnern, die sich auf das Thema Kinderbetreuung spezialisiert haben, decken wir das gesamte Spektrum der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ab.

Änderungen durch das Pflegestärkungsgesetz ab 2017

Durch das Pflegestärkungsgesetz sollen Pflegebedürftige, ihre Angehörigen und beruflich Pflegende gestärkt werden. Denn die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland wächst stetig weiter und mit ihr die Aufgabe, die es gesamtgesellschaftlich zu bewältigen gilt.

Mit dem 1. Januar 2017 wird die Pflegeversicherung noch einmal gründlich verändert. Statt bisher 3 Pflegestufen und eingeschränkter Alltagskompetenz wird es dann 5 Pflegegrade geben.

Menschen, die schon vorher in einer Pflegestufe eingruppiert worden sind, werden automatisch in einen Pflegegrad übergeleitet. Alle Anträge auf eine Begutachtung durch den MDK bis zum 31.12.2016 werden nach den alten Begutachtungsrichtlinien eingestuft, egal, wann genau die Begutachtung stattfindet. Erfolgt die Beantragung auf einen Pflegegrad ab dem 01.01.2017 werden automatisch die neuen Richtlinien angewandt.

Viele werden profitieren durch die neuen Regelungen. Es gibt einen Besitzstandsschutz für bereits bestehende Pflegebedürftigkeit und Wiederholungsprüfungen werden vorerst nicht stattfinden. Das bedeutet, dass auch jeder, der im Augenblick nur eine befristete Pflegestufe zugesprochen bekommen hat, diese behalten wird.

Die meisten bekommen mehr Geld. So erhält z.B. ein Mensch, der aktuell in Pflegestufe 0 mit eingeschränkter Alltagskompetenz eingestuft ist, automatisch ab dem 01.01.2017   193 Euro mehr Pflegegeld, 458 Euro mehr zu den Pflegesachleistungen (Pflege durch einen Pflegedienst) und 539 € mehr Zuschuss zur vollstationären Unterbringung in einem Pflegeheim. Überhaupt wird mehr auf die geistigen, kognitiven und psychischen Fähigkeiten eines Menschen eingegangen und so werden vor allem Menschen mit Demenz oder psychischen Erkrankungen besser berücksichtigt.

Benachteiligt werden Menschen, die vorwiegend körperliche Einschränkungen haben. Diese werden in der Gewichtung zurückgeschraubt, sodass es künftig schwer werden dürfte, unter diesen Umständen einen hohen Pflegegrad zu erzielen. Deshalb sollten diese Menschen besser noch vor dem 31.12.16 einen Antrag auf eine Pflegestufe stellen.

Auch bei der Bezuschussung für ein Pflegeheim wird sich einiges ändern. Künftig wird man hausintern immer die gleiche Zuzahlung leisten, egal, in welchen Pflegegrad man eingestuft worden ist. Teurer als jetzt wird es für Pflegestufe 1 (294€ pro Monat) und ein wenig auch in 2 (68 € pro Monat) ohne eingeschränkte Alltagskompetenz. Wer einen Einzug ins Pflegeheim erwägt und in Pflegestufe 1 ist, sollte von daher besser noch in diesem Jahr versuchen, einen Platz zu bekommen. Denn alle haben einen Besitzstandsschutz bei der Überleitung, die Differenz übernimmt dann die Pflegekasse. Durch diesen Schutz sind vermutlich auch hier keine Wiederholungsprüfungen zu erwarten, es sei denn, es wird eine Höherstufung beantragt.

Verändern werden sich auch die Betreuungs- und Entlastungsbeträge. Da die einge-schränkte Alltagkompetenz künftig nicht mehr separat beurteilt, sondern Bestandteil des Pflegegrades sein wird, gibt es künftig nur noch einen einheitlichen Betrag von 125 €. Da aber die Leistungen alle erhöht wurden, ergibt sich daraus nur ein Nachteil für Pflegestufe 3 mit Härtefallregelung. Und auch hier gibt es Bestandsschutz und finanziellen Ausgleich durch die Pflegekassen.

Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen werden aufgrund der zahlreichen Veränderungen viele Fragen aufkommen. Das Amiravita Team ist bestens vorbereitet  und alle Kunden und Betroffenen optimal unterstützen.

Geplantes Gesetz zur Verbesserung der Hospiz und Palliativversorgung in Deutschland

In der letzten Lebensphase eines schwerkranken Menschen ist es wichtig, dass eine individuelle Versorgung mit einer fürsorglichen Pflege und Betreuung gewährleistet werden kann. Es gibt in Deutschland zahlreiche Angebote sowohl für die ambulante als auch für die stationäre Palliativversorgung, über die uns die Angehörigen von kranken Menschen sehr positiv berichten. Es gibt jedoch Verbesserungsmöglichkeiten und Finanzierungslücken: Die Palliativversorgung ist kein flächendeckendes Angebot. Gerade in ländlichen und strukturschwachen Regionen fehlt es an ausreichenden Angeboten. Die Vernetzung der pflegerischen, medizinischen und palliativen Versorgung und Begleitung sowie die Kooperation der unterschiedlichen Leistungserbringer sind nur unzureichend ausgeprägt.

Um diesen Problemen zu begegnen und somit die Versorgung schwerstkranker Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu verbessern, wurde kürzlich der Entwurf eines „Gesetzes zur Verbesserung der Hospiz und Palliativversorgung in Deutschland“ verabschiedet. Dieser Gesetzentwurf sieht neben Neuerungen in den Bereichen der Gesetzlichen Krankenversicherung, Pflegeversicherung und den Strukturen des Krankenhauses, Verbesserungen in der ambulanten und stationären Hospizversorgung vor.

Im Einzelnen, sollen die folgenden Regelungen in Kraft treten:

  • Aufnahme der Palliativversorgung in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung – Steigerung der Qualität der bestehenden Palliativversorgung.
  • Auftrag an den gemeinsamen Bundesausschuss, die einzelnen Leistungen der Palliativpflege in der bestehenden Richtlinie über die Verordnung häuslicher Krankenpflege zu konkretisieren.
  • Einführung eines Schiedsverfahrens für Versorgungsverträge zwischen Krankenkassen und Pflegediensten für spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)-  Verbesserter Ausbau der SAPV in ländlichen Regionen.
  • Erhöhung des Mindestzuschusses der Krankenkassen zu stationären Kinder- und Erwachsenenhospizen- Verbesserung der finanziellen Ausstattung von stationären Kinder- und Erwachsenen-Hospizen.
  • Berücksichtigung der Sachkosten bei ambulanten Hospizkosten, wobei ebenfalls ein passendes Verhältnis von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern geschaffen werden soll.
  • Kooperationsverträge zwischen Pflegeheimen mit Haus- und Fachärzten zur medizinischen Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner sind nicht mehr freiwillig. Es sollen entsprechende Verträge abgeschlossen werden. Die Sterbebegleitung wird ein ausdrücklicher Bestandteil vom Versorgungsauftrag der sozialen Pflegeversicherung.
  • Für Bewohnerinnen und Bewohnern eines Pflegeheimes soll die gesetzliche Grundlage für die Versorgungsplanung einer individuellen und umfangreichen Palliativversorgung geschaffen werden – das Beratungsangebot soll durch die Krankenkassen finanziert werden.
  • Für Palliativstationen sollen auf Wunsch des jeweiligen Krankenhauses, krankenhausindividuelle Entgelte mit der Kostenträgern vereinbart werden – Stärkung der Hospizkultur.
  • Die Krankenkassen werden künftig dazu verpflichtet, eine individuelle Beratung der Versicherten und Hilfestellung der Auswahl und Inanspruchnahme durch unterschiedliche palliative Versorgungsmöglichkeiten zu leisten.

Eine stärkere Miteinbeziehung der Leistungsträger in die Bereiche Beratung und Finanzierung, sehen wir von Amiravita als sehr begrüßenswert an. Dennoch bleibt abzuwarten, wie schnell die Änderungen, nach der geplanten Einführung des Gesetzes zu Beginn des Jahres 2016, in Kraft treten werden und ob die angestrebten Ziele erreicht werden können. Es ist zu hoffen, dass der Zugang zu den Beratungsangeboten möglichst barrierefrei gestaltet wird und in der praktischen Umsetzung keine bürokratischen Hürden bestehen.

Oft handelt es sich bei der Begleitung in der letzten Lebensphase um eine Situation, die für den Betroffenen und das bestehende Umfeld  plötzlich auftritt und eine große Belastung mit sich bringt. Ein einfühlsamer und unterstützender Umgang seitens der Leistungserbringer durch entsprechend qualifizierte Ansprechpartner muss somit eine Grundvoraussetzung darstellen.

Um den Betroffenen beizustehen, bietet das Team von Amiravita unseren Kunden bereits heute eine individuelle Beratung rund um das Thema palliative Versorgungsmöglichkeiten an. Wir stehen den Angehörigen der sterbenden Person durch eine qualitativ hochwertige Beratung in dieser schweren Phase als Ansprechpartner zur Seite. Außerdem ermöglichen wir eine psychologische Begleitung, um die Betroffenen in dieser Situation professionell zu unterstützen.

Das Internet als Informationsquelle für pflegende Angehörige gewinnt an Bedeutung

Das Internet hat für pflegende Angehörige zunehmen an Bedeutung gewonnen. Dies wird durch eine aktuelle Pflegestudie der Techniker Krankenkasse belegt, bei der mehr als 1.000 pflegende Angehörige persönlich interviewt wurden. Hierbei nutzen 51 Prozent der Befragten  das Internet regelmäßig, wobei der Anteil an Männern mit 61 Prozent etwas höher ist als der Anteil der Frauen mit 48 Prozent. Besonders bemerkenswert ist, dass 68 Prozent der Befragten das Internet gezielt nutzen, um sich rund um das Thema Pflege zu informieren, wobei kein bestimmter Altersdurchschnitt besteht. Zudem nimmt die Bedeutung des Internets als Informationsquelle für die pflegenden Angehörigen mit der Höhe der Pflegestufe zu. Je höher die Pflegestufe, desto höher die Nutzung (Quelle: Studie TK, März 2015).

Die Bedeutung von aussagekräftigen und aktuellen Informationen aus dem Internet wir somit immer größer. Es gibt im Internet zahlreiche Seiten und Portale, die Informationen zum Thema Pflege enthalten. Leider ist es für die Nutzer nicht immer leicht zu erkennen, ob es sich um aktuelle und von Experten verfasste Informationen handelt. Auch die Verständlichkeit bei den teilweise sehr komplexen Pflege-Themen ist nicht immer gegeben. Zudem sind die Informationen auf vielen Internetseiten nicht vollständig oder auf eine Thematik beschränkt.

Die Amiravita hat daher einen Online Pflege-Ratgeber durch Experten entwickelt, der einfach strukturiert, umfassend und stets aktuell ist. Arbeitgeber können diesen Online Pflege-Ratgeber ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen, damit sich die Internetrecherche für Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen effizient und hilfreich gestaltet.

Weitere Informationen finden Sie auf www.amiravita.de

Verbesserungen der Auszeiten für Berufstätige mit pflegebedürftigen Angehörigen ab 2015

Ein Großteil der rund 2,6 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland wird von Angehörigen in der eigenen Häuslichkeit gepflegt. Um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf weiter zu verbessern, treten ab dem 01.01.2015 Erweiterungen der bereits bestehenden Regelungen in Kraft.

Die neuen gesetzlichen Regelungen ruhen auf drei Säulen, ausgemacht von verbesserten Varianten der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung, der Pflegezeit und der Familienpflegezeit:

Die kurzzeitige Arbeitsverhinderung kann bei einer akut auftretenden Pflegesituation für bis zu 10 Tage in Anspruch genommen werden, um eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren oder eine pflegerische Versorgung sicherzustellen. Künftig besteht hierbei ein Anspruch auf eine Lohnersatzleistung in Form des Pflegeunterstützungsgeldes. Es wird auf Antrag von der Pflegekasse der pflegebedürftigen Person gezahlt, wobei das Brutto-Pflegeunterstützungsgeld 90 Prozent des ausgefallenen Netto- Arbeitsentgeltes betragen soll.

Die Pflegezeit bietet pflegebedürftigen Angehörigen die Möglichkeit, sich für bis zu 6 Monate unentgeltlich, vollständig oder teilweise, von der Arbeit befreien zu lassen. Um den Lebensunterhalt besser bestreiten zu können, besteht hierbei in Zukunft ein Rechtsanspruch auf ein zinsloses Darlehen, das direkt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt werden kann.

Die Familienpflegezeit, die dem Arbeitnehmer eine Reduzierung der Mindestarbeitszeit auf bis zu 15 Stunden für maximal 24 Monate ermöglicht, kann künftig durch einen Rechtsanspruch geltend gemacht werden. Wie bei der Pflegezeit, kann auch in diesem Fall ein zinsloses Darlehen beantragt werden.

Eine weitere Verbesserung besteht darin, dass demnächst ein Rechtsanspruch darauf besteht, schwerstkranke Angehörige in der letzten Lebensphase für bis zu drei Monate zu begleiten. Diese Möglichkeit besteht unabhängig davon, ob der nahe Angehörige in häuslicher Umgebung gepflegt wird oder sich beispielsweise in einem Hospiz befindet. In der Regel wird diese Zeitspanne auf die Familienpflegezeit angerechnet.

Generell sind die Änderungen zu begrüßen, da Sie einen Beitrag zu der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf leisten. Gerade die Möglichkeit sowohl die Pflege- als auch die Familienpflegezeit zu kombinieren, kann viele individuelle Versorgungssituationen besser gestalten. Dennoch möchten wir klar zum Ausdruck bringen, dass die Verbesserungen nicht umfangreich genug sind, um Berufstätigen die Pflege eines Angehörigen zu vereinfachen.

Basierend auf unseren Erfahrungen ist deutlich, dass pflegende Angehörige häufig den Bedarf nach einem flexibel einzusetzenden freien Stundenkontingent haben. Diese Stunden werden beispielsweise für Arztbesuche, Behördengänge oder andere Termine und Tätigkeiten benötigt, die rund um die Versorgung des Pflegebedürftigen anfallen. Aktuell müssen die Betroffenen hierfür häufig Urlaubstage einsetzen oder angefallene Überstunden abbauen.

Um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf besser zu ermöglichen, müssten diesbezüglich weitere Regelungen für pflegende Angehörige aufgestellt werden. Hierbei wäre es zudem zu begrüßen, wenn auch Angehörige einen Anspruch haben, deren Pflegebedürftige stationär untergebracht sind.

Verbesserungen durch die Pflegereform

Um eine Verbesserung der Pflegesituation in Deutschland zu erreichen, hat die Bunderegierung das Thema Pflege als einen wichtigen Schwerpunkt benannt Es sollen insgesamt fünf Milliarden Euro mehr pro Jahr zur Verfügung gestellt werden, wodurch die Leistungen für Pflegebedürftige verbessert werden können.

Bereits im Januar 2015 soll die erste Stufe der Pflegereform in Kraft treten, die mehr Leistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mit sich bringen wird. Um die Leistungsverbesserung zu finanzieren soll der Beitragssatz der Pflegeversicherung parallel in einem ersten Schritt um 0,3 Prozentpunkte auf 2,35 Prozent und 2,6 Prozent für Kinderlose ansteigen. Die vorgesehenen Leistungsverbesserungen werden mit den Einnahmen aus 0,2 Prozentpunkten (2,4 Milliarden Euro jährlich) finanziert. Davon fließen 1,4 Milliarden Euro in Verbesserungen für die Pflege zu Hause und 1 Milliarde Euro stehen für Verbesserungen in Pflegeheimen zur Verfügung. Außerdem wird ein Pflegevorsorgefonds angelegt, welcher einen künftigen Beitragsanstieg abmildern soll, wenn die geburtenstarken Jahrgänge – etwa ab dem Jahr 2030 – das Pflegealter erreichen.

Im Rahmen der zweiten Stufe werden die Beiträge zur Pflegeversicherung nochmals um 0,2 Prozentpunkte angehoben. Durch diese beiden Beitragssatzerhöhungen stehen insgesamt fast fünf Milliarden Euro mehr für Verbesserungen der Pflegeleistungen zur Verfügung. Die Leistungen der Pflegeversicherung können dadurch um etwa 20 Prozent ausgeweitet werden.

Um die Veränderungen umzusetzen, soll eine Änderung von bestehenden Strukturen erfolgen. Diesbezüglich erfolgte bereits im Juni 2013 eine konkrete Ausgestaltung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes in Deutschland. Diese sieht mitunter vor, dass das bisherige System von drei Pflegestufen durch fünf „Pflegegrade“ ersetzt wird. Neben körperlichen Einschränkungen werden auch Einschränkungen einbezogen, die etwa bei Demenzkranken häufig vorkommen, was dazu beitragen soll, dass der individuelle Unterstützungsbedarf jedes Pflegebedürftigen besser erfasst wird. Um das neue Begutachtungsverfahren wissenschaftlich zu überprüfen wurde seitens des BMG im April 2014 die Zustimmung für eine Erprobungsphase mit zwei Modellprojekten gegeben. Nachdem das Personal des MDK angemessen geschult wurde, sollen die neue Form der Begutachtung in allen Bundesländer erprobt werden. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff soll bereits in dieser Legislaturperiode eingeführt werden.

Auch wenn die geplanten Veränderungen durchaus als positiv zu bewerten sind, ist es fraglich, ob die für die Realisierung notwendigen Aktivitäten durch die Bundeländer zeitnah erfolgen werden. Bereits während der letzten Pflegereformen wurde die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes angekündigt, was Zweifel daran aufkommen lässt ob die Einführung im Verlauf dieser Legislaturperiode tatsächlich umgesetzt wird. Des Weiteren ist zu befürchten, dass die Vielzahl der Leistungen und die diversen Kombinations- und Abrechnungsmöglichkeiten aufgrund ihrer Komplexität sowohl Anbieter als auch potenzielle Nutzer abschrecken könnte. Nicht außer Acht zu lassen ist zudem der organisatorische Aufwand zur Umstellung auf die neuen Regelungen, der für die Pflegeanbieter hohe Belastungen bedeutet.

Abschließend ist somit festzuhalten, dass es richtig und notwendig ist, neue Leistungen für Pflegebedürftige einzuführen. Welche Leistungen genau die neue Pflegereform mit sich bringt, wird hier demnächst vorgestellt werden. Die Vorgehensweise zur Einführung der neuen Regelungen sollte optimiert werden, um die Reformen zeitnah umzusetzen und auch den Umstellungsaufwand zu minimieren.