Neue Regeln für die Entlassung aus dem Krankenhaus

Wenn Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden, fühlen sich viele auf die Zeit im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt schlecht vorbereitet.

Obwohl das sogenannte „Entlassmanagement“ bereits seit 2012 Bestandteil der Versorgungsgesetzgebung war, gab es bislang in der Praxis erhebliche Mängel. Zum 01.10.2017 sind nun Änderungen des Rahmenvertrages Entlassmanagement in Kraft getreten. Ziel ist es, so heißt es in diesem Vertrag, „die bedarfsgerechte, kontinuierliche Versorgung der Patienten im Anschluss an die Krankenhausbehandlung zu gewährleisten“.

Das bedeutet, dass sich in Zukunft kein Krankenhaus mehr weigern kann, Rezepte über Medikamente, Verordnungen über häusliche Krankenpflege, für Hilfs- und Heilmittel und sogar eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei Bedarf für max. die ersten 7 Tage nach Entlassung auszustellen.

Der Patient hat ein Recht auf Entlassmanagement. Jedem Patienten muss ein solches angeboten werden. Wenn es keinen Bedarf gibt, muss ein entsprechender Vermerk in die Patientenakte eingetragen werden. Der Patient muss ausdrücklich sein Einverständnis zum Entlassmanagement mit seiner Unterschrift bekunden. Wenn Sie also pflegebedürftige Angehörige ins Krankenhaus bringen müssen, fragen Sie rechtzeitig vor der Entlassung nach einem Entlassmanagement. Denken Sie in diesem Zusammenhang auch bitte an die Ausstellung einer Vollmacht, damit Angehörige diese Unterschrift leisten können, wenn der Patient das nicht mehr kann (zum Beispiel aufgrund einer Demenzerkrankung).

Diese gesetzliche Entwicklung sehen wir von Amiravita positiv, weil es nun eine weitere rechtliche Grundlage gibt, auf die man sich berufen kann, wenn eine pflegebedürftige Person spontan entlassen werden soll.

Dennoch stehen wir der Umsetzung in die Praxis noch skeptisch gegenüber, da viele neue Aspekte sich erst einmal in die bestehenden Strukturen einfügen müssen. Wir sind dazu bereit unsere Kunden umfangreich auf die Besonderheiten im Krankenhaus vorzubereiten und Ihnen in der Situation selbst unterstützend zur Seite zu stehen.

Nachteile durch Pflegegrad 1

Alle hilfe- und pflegebedürftigen Menschen, die seit dem 01.01.2017 einen Antrag auf Leistungen der Pflegekasse gestellt haben, werden nach neuen Richtlinien begutachtet und in einen Pflegegrad eingestuft. Die neuen Begutachtungsregeln sind im Zuge des Pflegestärkungsgesetztes II Anfang dieses Jahrs eingeführt worden. Sie bestehen aus       64 Kriterien, die darüber entscheiden, ob und welchen Pflegegrad eine pflegebedürftige Person erhält. Es gibt Pflegegrad 1-5.

Die Leistungen der Pflegekasse beim niedrigsten Pflegegrad (Pflegegrad 1) sind leider sehr begrenzt. So bleibt den Betroffenen zum Beispiel der Anspruch auf ein Budget für die Finanzierung eines Pflegedienstes oder einer Tagespflegeeinrichtung verwehrt. Doch gerade solche Leistungen sind für Menschen, die aufgrund körperlicher oder geistiger Einschränkungen auf Hilfe angewiesen sind, sehr entscheidend.

Erste Statistiken haben gezeigt, dass etwa 33% der Personen, die einen Pflegegrad erhalten haben, in den Pflegegrad 1 eingestuft wurden. Das ist unserer Einschätzung nach ein besorgniserregend hoher Anteil an „Pflegebedürftigen“, die nur auf sehr begrenzte Unterstützung der Pflegekasse zurückgreifen können.

Zum Vergleich: Bei Pflegegrad 1 stehen der pflegebedürftigen Person 1.500 Euro zur Verfügung, die für Unterstützungsleistungen eingesetzt werden können (ohne Hilfsmittel). Bei Pflegegrad 2 können Betroffene 21.260 Euro für Pflege- und Unterstützungsleistungen pro Jahr einsetzen (ebenfalls ohne Hilfsmittel). Der Unterschied ist enorm.

Die finanziellen Einschränkungen führen mit dazu, dass die Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen sehr viel der Pflege selbst leisten müssen. Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf wird dadurch für viele Angehörigen zu einer großen Herausforderung.

In unseren Pflegeberatungen haben wir in diesem Jahr schon häufig erlebt, dass die Familie verzweifelt war, wenn nur ein Pflegegrad 1 anerkannt wurde. In vielen begründeten Fällen konnten wir die Betroffenen dabei unterstützen, einen Widerspruch gegen die Entscheidung einzulegen, um die Situation erneut beurteilen zu lassen.

Gerade weil das neue Begutachtungssystem sehr komplex ist, ist es für viele schwer nachzuvollziehen, wie der Unterstützungsbedarf Ihres Angehörigen dem Gutachter gegenüber am besten dargestellt werden muss.

Beschäftigte unserer Kunden können sich durch Gespräche mit den erfahrenen Amiravita-Beraterinnen optimal auf eine Begutachtung zur Einstufung in einen Pflegegrad vorbereiten. Das Wohlergehen unserer Kunden und deren pflegebedürftiger Angehöriger dient uns dabei als große Motivation.

 

 

Neuerungen und Unsicherheiten durch das Pflegestärkungsgesetz 2017

Mit dem 01.01.2017 sind viele Änderungen durch den zweiten Teil des Pflegestärkungsgesetzes in Kraft getreten: Viele Leistungen der Pflegekasse haben sich erhöht. Pflegebedürftige erhalten nun „Pflegegrade“ statt Pflegestufen. Es gibt neue Kriterien, die entscheidend sind, welchen Pflegegrad man erhält. Es wurde darauf geachtet, dass es nicht zu einer Benachteiligung der Anspruchsberechtigen kommt, die bereits vor 2017 Leistungen durch die Pflegekasse bezogen haben. Niemand darf im Jahr 2017 insgesamt weniger Leistungen erhalten als im Jahr 2016.

Auch wenn viele dieser Änderungen sehr begrüßungswert sind, fällt uns als Pflegeexperten auf, dass die Änderungen eine Reihe von Unklarheiten und Fragen mit sich gebracht haben. Vor allem das neuen Begutachtungssystem ist für viele Antragssteller und ihre Angehörigen undurchsichtig und schwer nachvollziehbar. Das neue Begutachtungssystem (NBA) ist mit seinen 64 Kriterien sehr komplex und wirft durch die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Kriterien in der Gesamtbewertung viele Fragen auf. Teils ist die Verunsicherung so groß, dass den Betroffenen nicht klar ist, ob überhaupt ein Antrag auf Leistungen der Pflegekasse gestellt werden sollte. Hierdurch kann sich die Pflegesituation weiter verschlechtern und die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf der Angehörigen zusätzlich erschwert werden.

Auch die Kommunikation der neuen Pflegekosten und Leistungen der Pflegekasse verläuft nicht optimal. Die Mitteilungen der Pflegeheime in Bezug auf den einheitlichen Eigenanteil, der seit 2017 von allen Pflegebedürftigen in gleicher Höhe geleistet werden muss, sind oft unverständlich geschrieben und können von den Betroffenen nur schwer nachvollzogen werden. Dadurch werden die Ängste vor zu hohen Heimkosten geschürt.

Der erhöhte Informationsbedarf, den wir von Amiravita in unseren Beratungsgesprächen erleben, motiviert uns zusätzlich, unser Wissen kontinuierlich auszubauen und es den Betroffenen in klarer und verständlicher Form zu vermitteln. Unser Ziel ist es, dazu beizutragen, dass die Unsicherheiten verschwinden und die pflegenden Angehörigen wissen, auf welche Leistungen ihre hilfebedürftigen Familienmitglieder einen Anspruch haben und wie sie diesen geltend machen können.

Wir freuen uns auf die neuen Aufgaben, die auf uns zukommen, und werden unsere Kunden auch im Jahr 2017 optimal unterstützen.

Neue Studie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bescheinigt Vorteile

Eine neue Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in Zusammenarbeit mit der Roland Berger GmbH befasst sich mit den Renditepotenzialen der neuen Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Danach gehören für 87,6 % der Beschäftigten mit pflegebedürftigen Angehörigen familienfreundliche Angebote zu den wichtigsten Kriterien für einen attraktiven Arbeitgeber.

Fakt ist, dass bereits heute die Zahl der Pflegebedürftigen höher ist, als die der Kinder unter drei Jahren. Und die Tendenz steigt. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes wird es im Jahr 2030 3,4 Millionen Pflegebedürftige geben, dies entspricht etwa 4,4 %. der Gesamtbevölkerung oder geschätzt dann allen Kindern unter 6 Jahren.

Maßnahmen zur neuen Vereinbarkeit von Familie und Beruf erzielten einerseits erwartungsgemäß positive Feedbacks der Mitarbeiter in der Bewertung des Arbeitgebers. Darüber hinaus entwickelten sich aber auch Standorts- und Wettbewerbsvorteile sowie positive Effekte auf Mitarbeitermotivation und Fluktuation. Dies ist im Hinblick auf den demografischen Wandel und den damit verbundenen zunehmenden Wettbewerb um Arbeitskräfte ein nicht außer Acht zu lassender Aspekt.

Daraus resultierend ergab sich weiter eine Verbesserung der Bewerberqualität, sowohl qualitativ wie auch quantitativ. Durch einen größeren Bewerberpool kann die Auswahl genauer erfolgen.

Und Familienfreundlichkeit wirkt sich nicht nur intern auf die Mitarbeiter aus, sondern kommt auch bei den Kunden positiv an. So kann sie durchaus zum Wettbewerbsvorteil werden.

Bleibt also festzuhalten, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf heute eine entscheidende Stellgröße für ein Unternehmen sein kann.

Das Amiravita-Team berät Sie gern zu allen Fragen rund um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Gemeinsam mit unseren Partnern, die sich auf das Thema Kinderbetreuung spezialisiert haben, decken wir das gesamte Spektrum der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ab.

Änderungen durch das Pflegestärkungsgesetz ab 2017

Durch das Pflegestärkungsgesetz sollen Pflegebedürftige, ihre Angehörigen und beruflich Pflegende gestärkt werden. Denn die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland wächst stetig weiter und mit ihr die Aufgabe, die es gesamtgesellschaftlich zu bewältigen gilt.

Mit dem 1. Januar 2017 wird die Pflegeversicherung noch einmal gründlich verändert. Statt bisher 3 Pflegestufen und eingeschränkter Alltagskompetenz wird es dann 5 Pflegegrade geben.

Menschen, die schon vorher in einer Pflegestufe eingruppiert worden sind, werden automatisch in einen Pflegegrad übergeleitet. Alle Anträge auf eine Begutachtung durch den MDK bis zum 31.12.2016 werden nach den alten Begutachtungsrichtlinien eingestuft, egal, wann genau die Begutachtung stattfindet. Erfolgt die Beantragung auf einen Pflegegrad ab dem 01.01.2017 werden automatisch die neuen Richtlinien angewandt.

Viele werden profitieren durch die neuen Regelungen. Es gibt einen Besitzstandsschutz für bereits bestehende Pflegebedürftigkeit und Wiederholungsprüfungen werden vorerst nicht stattfinden. Das bedeutet, dass auch jeder, der im Augenblick nur eine befristete Pflegestufe zugesprochen bekommen hat, diese behalten wird.

Die meisten bekommen mehr Geld. So erhält z.B. ein Mensch, der aktuell in Pflegestufe 0 mit eingeschränkter Alltagskompetenz eingestuft ist, automatisch ab dem 01.01.2017   193 Euro mehr Pflegegeld, 458 Euro mehr zu den Pflegesachleistungen (Pflege durch einen Pflegedienst) und 539 € mehr Zuschuss zur vollstationären Unterbringung in einem Pflegeheim. Überhaupt wird mehr auf die geistigen, kognitiven und psychischen Fähigkeiten eines Menschen eingegangen und so werden vor allem Menschen mit Demenz oder psychischen Erkrankungen besser berücksichtigt.

Benachteiligt werden Menschen, die vorwiegend körperliche Einschränkungen haben. Diese werden in der Gewichtung zurückgeschraubt, sodass es künftig schwer werden dürfte, unter diesen Umständen einen hohen Pflegegrad zu erzielen. Deshalb sollten diese Menschen besser noch vor dem 31.12.16 einen Antrag auf eine Pflegestufe stellen.

Auch bei der Bezuschussung für ein Pflegeheim wird sich einiges ändern. Künftig wird man hausintern immer die gleiche Zuzahlung leisten, egal, in welchen Pflegegrad man eingestuft worden ist. Teurer als jetzt wird es für Pflegestufe 1 (294€ pro Monat) und ein wenig auch in 2 (68 € pro Monat) ohne eingeschränkte Alltagskompetenz. Wer einen Einzug ins Pflegeheim erwägt und in Pflegestufe 1 ist, sollte von daher besser noch in diesem Jahr versuchen, einen Platz zu bekommen. Denn alle haben einen Besitzstandsschutz bei der Überleitung, die Differenz übernimmt dann die Pflegekasse. Durch diesen Schutz sind vermutlich auch hier keine Wiederholungsprüfungen zu erwarten, es sei denn, es wird eine Höherstufung beantragt.

Verändern werden sich auch die Betreuungs- und Entlastungsbeträge. Da die einge-schränkte Alltagkompetenz künftig nicht mehr separat beurteilt, sondern Bestandteil des Pflegegrades sein wird, gibt es künftig nur noch einen einheitlichen Betrag von 125 €. Da aber die Leistungen alle erhöht wurden, ergibt sich daraus nur ein Nachteil für Pflegestufe 3 mit Härtefallregelung. Und auch hier gibt es Bestandsschutz und finanziellen Ausgleich durch die Pflegekassen.

Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen werden aufgrund der zahlreichen Veränderungen viele Fragen aufkommen. Das Amiravita Team ist bestens vorbereitet  und alle Kunden und Betroffenen optimal unterstützen.

Verbesserungen der Auszeiten für Berufstätige mit pflegebedürftigen Angehörigen ab 2015

Ein Großteil der rund 2,6 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland wird von Angehörigen in der eigenen Häuslichkeit gepflegt. Um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf weiter zu verbessern, treten ab dem 01.01.2015 Erweiterungen der bereits bestehenden Regelungen in Kraft.

Die neuen gesetzlichen Regelungen ruhen auf drei Säulen, ausgemacht von verbesserten Varianten der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung, der Pflegezeit und der Familienpflegezeit:

Die kurzzeitige Arbeitsverhinderung kann bei einer akut auftretenden Pflegesituation für bis zu 10 Tage in Anspruch genommen werden, um eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren oder eine pflegerische Versorgung sicherzustellen. Künftig besteht hierbei ein Anspruch auf eine Lohnersatzleistung in Form des Pflegeunterstützungsgeldes. Es wird auf Antrag von der Pflegekasse der pflegebedürftigen Person gezahlt, wobei das Brutto-Pflegeunterstützungsgeld 90 Prozent des ausgefallenen Netto- Arbeitsentgeltes betragen soll.

Die Pflegezeit bietet pflegebedürftigen Angehörigen die Möglichkeit, sich für bis zu 6 Monate unentgeltlich, vollständig oder teilweise, von der Arbeit befreien zu lassen. Um den Lebensunterhalt besser bestreiten zu können, besteht hierbei in Zukunft ein Rechtsanspruch auf ein zinsloses Darlehen, das direkt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt werden kann.

Die Familienpflegezeit, die dem Arbeitnehmer eine Reduzierung der Mindestarbeitszeit auf bis zu 15 Stunden für maximal 24 Monate ermöglicht, kann künftig durch einen Rechtsanspruch geltend gemacht werden. Wie bei der Pflegezeit, kann auch in diesem Fall ein zinsloses Darlehen beantragt werden.

Eine weitere Verbesserung besteht darin, dass demnächst ein Rechtsanspruch darauf besteht, schwerstkranke Angehörige in der letzten Lebensphase für bis zu drei Monate zu begleiten. Diese Möglichkeit besteht unabhängig davon, ob der nahe Angehörige in häuslicher Umgebung gepflegt wird oder sich beispielsweise in einem Hospiz befindet. In der Regel wird diese Zeitspanne auf die Familienpflegezeit angerechnet.

Generell sind die Änderungen zu begrüßen, da Sie einen Beitrag zu der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf leisten. Gerade die Möglichkeit sowohl die Pflege- als auch die Familienpflegezeit zu kombinieren, kann viele individuelle Versorgungssituationen besser gestalten. Dennoch möchten wir klar zum Ausdruck bringen, dass die Verbesserungen nicht umfangreich genug sind, um Berufstätigen die Pflege eines Angehörigen zu vereinfachen.

Basierend auf unseren Erfahrungen ist deutlich, dass pflegende Angehörige häufig den Bedarf nach einem flexibel einzusetzenden freien Stundenkontingent haben. Diese Stunden werden beispielsweise für Arztbesuche, Behördengänge oder andere Termine und Tätigkeiten benötigt, die rund um die Versorgung des Pflegebedürftigen anfallen. Aktuell müssen die Betroffenen hierfür häufig Urlaubstage einsetzen oder angefallene Überstunden abbauen.

Um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf besser zu ermöglichen, müssten diesbezüglich weitere Regelungen für pflegende Angehörige aufgestellt werden. Hierbei wäre es zudem zu begrüßen, wenn auch Angehörige einen Anspruch haben, deren Pflegebedürftige stationär untergebracht sind.

Nach Einführung der Pflegereform am 1.1.2013: Erhöhte Leistungen bringt einigen Betroffenen Entlastung aber weitere Verbesserungen sind notwendig

Seit dem 1. Januar 2013 gelten die Neuregelungen nach dem Pflegeneuausrichtungsgesetz. Das Kernstück der Pflegereform sind die verbesserten Leistungen für Demenzkranke in der häuslichen Pflege. Demnach erhalten Menschen mit sogenannter eingeschränkter Alltagskompetenz, zusätzlich zu dem bisherigen Betreuungsgeld, auch Sach- oder Geldleistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. So bekommen demenzkranke Menschen, die von Angehörigen gepflegt werden, ein Pflegegeld in Höhe von 120 Euro pro Monat – auch wenn keine Pflegestufe vorliegt. Wird ein Pflegedienst in Anspruch genommen, werden dafür 225 Euro von der Pflegekasse monatlich zur Verfügung gestellt. Liegt zusätzlich eine Pflegestufe 1 oder 2 vor, stehen Demenzkranken erhöhte Leistungen zu.

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass Pflegende mit demenzkranken Angehörigen durch die erhöhten finanziellen Leistungen durch die Pflegereform eine große Entlastung erfahren. Sie können Unterstützung in Anspruch nehmen, die sie vorher nicht bezahlen konnten. Für einzelne ist es besonders wichtig, auch mal eine Auszeit von den Pflegetätigkeiten zu  haben. Die Leistung „Verhinderungspflege“ ist für solche Situationen vorgesehen. Sie kann jetzt auch ohne Pflegestufe in Anspruch genommen werden. Einige pflegende Angehörige sind damit in der Lage, eine Ersatzpflegeperson für bestimmte Zeiten zu organisieren.

Um grundlegende und nachhaltige Verbesserungen für Pflegebedürftige und deren Angehörige herbeizuführen, reichen die bisherigen Neuregelungen der Pflegereform allerdings nicht aus. Vor allem pflegende Angehörige benötigen zunehmend Unterstützung, um die anstrengende Pflege langfristig gewährleisten zu können. Problematisch ist zudem, dass die Aufklärung und das Wissen über die neuen Leistungen der Pflegereform nicht hinreichend sind. Viele pflegende Angehörige und Betroffene wissen nicht, dass sie eigentlich Anspruch auf die erhöhten Leistungen haben und gehen im Zweifel leer aus.

Unterstützende Angebote, wie zum Beispiel Tagespflegeeinrichtungen oder Kurzzeitpflegen, schaffen bereits eine gute Grundlage, um den zunehmenden Bedarf an Betreuung und Pflege zu decken. Was fehlt, sind Pflegekräfte die eine qualitativ hochwertige Pflege und Betreuung gewährleisten können. Immer weniger Männer und Frauen sind bereit, einen Beruf in der Pflege zu erlernen. Eine Aufwertung des Pflegeberufs ist zur (Neu-) Gewinnung qualifizierter Pflegekräfte daher unumgänglich.

Familienpflegezeit wird kaum in Anspruch genommen

Die Anfang 2012 eingeführte Pflegezeit für Familien findet bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern kaum Anklang. Weniger als 200 Mitarbeiter haben das Angebot zu einer Auszeit für die Pflege von Angehörigen in den ersten zwölf Monaten genutzt.

Das ursprüngliche Ziel der Familienpflegezeit ist, Arbeitnehmern zu ermöglich,  sich besser um Pflegebedürftige in der Familie kümmern zu können und so Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Betrachtet man die über 4 Millionen Pflege- und Hilfsbedürftigen die zu Hause oder von ambulanten Pflegediensten versorgt werden, erscheint die Pflegezeit für Angehörige eine sinnvolle Idee zu sein.

Ganz offensichtlich sind die Bedingungen der Familienpflegezeit nicht attraktiv genug, um viele Nutzer zu werben – weder unter den Arbeitgebern noch unter den Arbeitnehmern: Es gibt sehr viele pflegende Angehörige, die gerne mehr Zeit für ihre pflegebedürftigen Verwandten hätten. Aber für viele pflegende Angehörige ist es nicht ausreichend, wenn sie über mehrere Jahre nur einen Teil ihres Lohns erhalten. Sie können sich die Familienpflegezeit aus finanziellen Gründen nicht leisten. Für Arbeitgeber stellt der administrative Aufwand eine Hürde dar. Einige Unternehmen entwickeln ihre eigenen Programme und verzichten auf die Hilfe vom Staat.

Auch wenn die Intention, eine Familienpflegezeit einzuführen, gut war, wurden die Ziele leider nicht erreicht.

Was ist die Familienpflegezeit?

Laut Gesetz können Beschäftigte ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren, um pflegebedürftige Angehörige zu versorgen. Während dieser Zeit zahlt der Arbeitgeber ein höheres Gehalt, also eine Art Lohnvorschuss, der nach dem Ende der Pflegezeit wieder ausgeglichen wird. Bisher konnten sich Arbeitnehmer zwar auch eine Auszeit von bis zu sechs Monaten für die Pflege nehmen, allerdings nur bei komplettem Gehaltsverzicht.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Der Schlüssel gegen den Fachkräftemangel

Immer mehr Unternehmen engagieren sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bauen Unterstützungsangebote für ihre Mitarbeiter in diesem Bereich aus.

Unter dem Titel „Vom ‚Gedöns’ zum Schlüssel gegen den Fachkräftemangel: Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ stellt der DIHK die Ergebnisse einer von ihm durchgeführten Online-Umfrage vor. Dabei wurden knapp 2.000 Betriebe in Deutschland zum Thema Familienfreundlichkeit befragt.

Die Kernergebnisse der Studie haben wir für Sie zusammengefasst:

  • Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat sich mittlerweile zu einem sehr wichtigen strategischen Handlungsfeld für Betriebe entwickelt.  Bemerkenswert ist zum Beispiel, dass über 90 Prozent der Unternehmen flexible und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle anbieten oder planen, dies zukünftig zu tun.
  • Durch den demografischen Wandel rückt die Pflege von Angehörigen verstärkt in den Fokus. Darauf reagieren auch die befragten Unternehmen. Jedes zweite unterstützt bereits seine Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Weitere 17 Prozent wollen dies in Zukunft durch gezielte Angebote tun.  Zudem geben 32 Prozent der befragten Unternehmen an, die Familienpflegezeit künftig anbieten zu wollen.
  • Der Engpass an Kinderbetreuungsplätzen zwingt die Betriebe aktiv zu werden: jedes zweite Unternehmen bietet bereits eine Unterstützung bei der Kinderbetreuung an oder plant, dies zu tun, zum Beispiel in Form von finanziellen Zuschüssen oder einem Eltern-Kind-Büro. Eine betriebliche Kinderbetreuung in Form einer eigenen Kita oder durch Belegplätze in bestehenden Einrichtungen bietet bereits jedes dritte Unternehmen an bzw. plant, dieses zu tun.

Eine zentrale Forderung der DIHK lautet, dass das Thema Pflege und Beruf noch stärker in das Bewusstsein der Arbeitnehmer und Arbeitgeber rücken muss. In Zeiten des zunehmenden Fachkräftebedarfs und einer alternden Bevölkerung sind pflegende Angehörige eine  Mitarbeitergruppe, die für die Betriebe nicht verloren gehen darf

Die kompletten Ergebnisse der Studie können Sie hier downloaden.

Quelle: http://www.dihk.de/ressourcen/downloads/ihk-unternehmensbarometer-vereinbarkeit-12.pdf/at_download/file?mdate=1344239411834

 

Versicherungen für die Familienpflegezeit

Versicherungspflicht für Arbeitnehmer

Wie bereits in unserem ausführlichen Blog-Beitrag zur Familienpflegezeit beschrieben, müssen Arbeitnehmer gemäß § 4 FPfZG für die gesamte Dauer der Familienpflegezeit eine Familienpflegezeitversicherung abschließen. Die Versicherung soll den Arbeitgeber für den Fall absichern, dass der Arbeitnehmer den gezahlten Gehaltsvorschuss nicht zurückzuzahlen kann, z.B. aufgrund von Berufsunfähigkeit oder im Todesfall.Die Versicherungspflicht besteht sowohl für die Pflegephase, als auch für die Nachpflegephase.

Wo kann eine Familienpflegezeitversicherung abgeschlossen werden?

Arbeitnehmer können privat eine Familienpflegezeitversicherung abschließen (unabhängig vom Arbeitgeber). Alternativ kann der Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer eine Versicherung abschließen. Die Kosten werden grundsätzlich vom Arbeitnehmer getragen.

Für Arbeitnehmer, die eine Familienpflegezeitversicherung privat abschließen möchten, gibt es derzeit drei Versicherungen, die dies anbieten und ein Zertifikat des Bundesamtes für Familie und zivil­gesellschaftliche Aufgaben erhalten haben:

Cardif Lebensversicherung, Friolzheimer Str.66, 70499 Stuttgart

Ries Spezialmakler GmbH, Darmstädter Str.72, 64925 Bensheim

Genworth Financial, Martin-Behaim-Str.22, 63263 Neu-Isenburg

Höhe der Versicherungsbeiträge

Die Höhe der monatlichen Versicherungsprämie ist ein festgelegter Prozentsatz des ermittelten Bruttoaufstockungsbetrags zzgl. des Arbeitgeberanteils am Sozialversicherungsbeitrag. Der Bruttoaufstockungsbetrag ist die Summe, die der Arbeitnehmer während der Familienpflegezeit zusätzlich zu seinem reduzierten Gehalt monatlich als Darlehen erhält. Der zu zahlende Prozentsatz liegt derzeit (bis 31.12.2012) für die gesamte Laufzeit der Familienpflegezeit bei 1,99 %.

Anbei haben wir für Sie an einem Beispiel die Versicherungsprämie durchgerechnet (das Beispiel dient als erster Annäherungswert und ist grundsätzlich nicht rechtsverbindlich).

Nehmen wir an, der Gesamtbruttolohn eines Mitarbeiters des letzten Jahres beträgt 35.000 Euro. Die Gesamt-Bruttoarbeitskosten (Bruttolohn + Arbeitgeberkosten mit 19,575%) liegen bei 41.851.25 Euro.

Die durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Woche vor Beginn der Familienpflegezeit betragen 35 Stunden. Der Mitarbeiter möchte nun seine Arbeitszeit auf 50% reduzieren und die Familienpflegezeit für zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Folgende Werte ergeben sich bei der Berechnung:

Monatlicher Aufstockungsbetrag (Darlehen): 896,81 Euro
Monatliche Versicherungsprämie: 17,85 Euro

In diesem Beispiel ergeben sich folgende Werte für das Darlehen des Arbeitgebers und das monatliche Bruttoeinkommen des Arbeitnehmers:

Arbeitgeber Darlehen Gesamt: 21.523,50
Monatliches Bruttoeinkommen der/des Beschäftigten: 2166,67

Quelle: Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben Öffentlichkeitsarbeit