Geplantes Gesetz zur Verbesserung der Hospiz und Palliativversorgung in Deutschland

In der letzten Lebensphase eines schwerkranken Menschen ist es wichtig, dass eine individuelle Versorgung mit einer fürsorglichen Pflege und Betreuung gewährleistet werden kann. Es gibt in Deutschland zahlreiche Angebote sowohl für die ambulante als auch für die stationäre Palliativversorgung, über die uns die Angehörigen von kranken Menschen sehr positiv berichten. Es gibt jedoch Verbesserungsmöglichkeiten und Finanzierungslücken: Die Palliativversorgung ist kein flächendeckendes Angebot. Gerade in ländlichen und strukturschwachen Regionen fehlt es an ausreichenden Angeboten. Die Vernetzung der pflegerischen, medizinischen und palliativen Versorgung und Begleitung sowie die Kooperation der unterschiedlichen Leistungserbringer sind nur unzureichend ausgeprägt.

Um diesen Problemen zu begegnen und somit die Versorgung schwerstkranker Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu verbessern, wurde kürzlich der Entwurf eines „Gesetzes zur Verbesserung der Hospiz und Palliativversorgung in Deutschland“ verabschiedet. Dieser Gesetzentwurf sieht neben Neuerungen in den Bereichen der Gesetzlichen Krankenversicherung, Pflegeversicherung und den Strukturen des Krankenhauses, Verbesserungen in der ambulanten und stationären Hospizversorgung vor.

Im Einzelnen, sollen die folgenden Regelungen in Kraft treten:

  • Aufnahme der Palliativversorgung in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung – Steigerung der Qualität der bestehenden Palliativversorgung.
  • Auftrag an den gemeinsamen Bundesausschuss, die einzelnen Leistungen der Palliativpflege in der bestehenden Richtlinie über die Verordnung häuslicher Krankenpflege zu konkretisieren.
  • Einführung eines Schiedsverfahrens für Versorgungsverträge zwischen Krankenkassen und Pflegediensten für spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)-  Verbesserter Ausbau der SAPV in ländlichen Regionen.
  • Erhöhung des Mindestzuschusses der Krankenkassen zu stationären Kinder- und Erwachsenenhospizen- Verbesserung der finanziellen Ausstattung von stationären Kinder- und Erwachsenen-Hospizen.
  • Berücksichtigung der Sachkosten bei ambulanten Hospizkosten, wobei ebenfalls ein passendes Verhältnis von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern geschaffen werden soll.
  • Kooperationsverträge zwischen Pflegeheimen mit Haus- und Fachärzten zur medizinischen Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner sind nicht mehr freiwillig. Es sollen entsprechende Verträge abgeschlossen werden. Die Sterbebegleitung wird ein ausdrücklicher Bestandteil vom Versorgungsauftrag der sozialen Pflegeversicherung.
  • Für Bewohnerinnen und Bewohnern eines Pflegeheimes soll die gesetzliche Grundlage für die Versorgungsplanung einer individuellen und umfangreichen Palliativversorgung geschaffen werden – das Beratungsangebot soll durch die Krankenkassen finanziert werden.
  • Für Palliativstationen sollen auf Wunsch des jeweiligen Krankenhauses, krankenhausindividuelle Entgelte mit der Kostenträgern vereinbart werden – Stärkung der Hospizkultur.
  • Die Krankenkassen werden künftig dazu verpflichtet, eine individuelle Beratung der Versicherten und Hilfestellung der Auswahl und Inanspruchnahme durch unterschiedliche palliative Versorgungsmöglichkeiten zu leisten.

Eine stärkere Miteinbeziehung der Leistungsträger in die Bereiche Beratung und Finanzierung, sehen wir von Amiravita als sehr begrüßenswert an. Dennoch bleibt abzuwarten, wie schnell die Änderungen, nach der geplanten Einführung des Gesetzes zu Beginn des Jahres 2016, in Kraft treten werden und ob die angestrebten Ziele erreicht werden können. Es ist zu hoffen, dass der Zugang zu den Beratungsangeboten möglichst barrierefrei gestaltet wird und in der praktischen Umsetzung keine bürokratischen Hürden bestehen.

Oft handelt es sich bei der Begleitung in der letzten Lebensphase um eine Situation, die für den Betroffenen und das bestehende Umfeld  plötzlich auftritt und eine große Belastung mit sich bringt. Ein einfühlsamer und unterstützender Umgang seitens der Leistungserbringer durch entsprechend qualifizierte Ansprechpartner muss somit eine Grundvoraussetzung darstellen.

Um den Betroffenen beizustehen, bietet das Team von Amiravita unseren Kunden bereits heute eine individuelle Beratung rund um das Thema palliative Versorgungsmöglichkeiten an. Wir stehen den Angehörigen der sterbenden Person durch eine qualitativ hochwertige Beratung in dieser schweren Phase als Ansprechpartner zur Seite. Außerdem ermöglichen wir eine psychologische Begleitung, um die Betroffenen in dieser Situation professionell zu unterstützen.

Das Internet als Informationsquelle für pflegende Angehörige gewinnt an Bedeutung

Das Internet hat für pflegende Angehörige zunehmen an Bedeutung gewonnen. Dies wird durch eine aktuelle Pflegestudie der Techniker Krankenkasse belegt, bei der mehr als 1.000 pflegende Angehörige persönlich interviewt wurden. Hierbei nutzen 51 Prozent der Befragten  das Internet regelmäßig, wobei der Anteil an Männern mit 61 Prozent etwas höher ist als der Anteil der Frauen mit 48 Prozent. Besonders bemerkenswert ist, dass 68 Prozent der Befragten das Internet gezielt nutzen, um sich rund um das Thema Pflege zu informieren, wobei kein bestimmter Altersdurchschnitt besteht. Zudem nimmt die Bedeutung des Internets als Informationsquelle für die pflegenden Angehörigen mit der Höhe der Pflegestufe zu. Je höher die Pflegestufe, desto höher die Nutzung (Quelle: Studie TK, März 2015).

Die Bedeutung von aussagekräftigen und aktuellen Informationen aus dem Internet wir somit immer größer. Es gibt im Internet zahlreiche Seiten und Portale, die Informationen zum Thema Pflege enthalten. Leider ist es für die Nutzer nicht immer leicht zu erkennen, ob es sich um aktuelle und von Experten verfasste Informationen handelt. Auch die Verständlichkeit bei den teilweise sehr komplexen Pflege-Themen ist nicht immer gegeben. Zudem sind die Informationen auf vielen Internetseiten nicht vollständig oder auf eine Thematik beschränkt.

Die Amiravita hat daher einen Online Pflege-Ratgeber durch Experten entwickelt, der einfach strukturiert, umfassend und stets aktuell ist. Arbeitgeber können diesen Online Pflege-Ratgeber ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen, damit sich die Internetrecherche für Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen effizient und hilfreich gestaltet.

Weitere Informationen finden Sie auf www.amiravita.de

Verbesserungen der Auszeiten für Berufstätige mit pflegebedürftigen Angehörigen ab 2015

Ein Großteil der rund 2,6 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland wird von Angehörigen in der eigenen Häuslichkeit gepflegt. Um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf weiter zu verbessern, treten ab dem 01.01.2015 Erweiterungen der bereits bestehenden Regelungen in Kraft.

Die neuen gesetzlichen Regelungen ruhen auf drei Säulen, ausgemacht von verbesserten Varianten der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung, der Pflegezeit und der Familienpflegezeit:

Die kurzzeitige Arbeitsverhinderung kann bei einer akut auftretenden Pflegesituation für bis zu 10 Tage in Anspruch genommen werden, um eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren oder eine pflegerische Versorgung sicherzustellen. Künftig besteht hierbei ein Anspruch auf eine Lohnersatzleistung in Form des Pflegeunterstützungsgeldes. Es wird auf Antrag von der Pflegekasse der pflegebedürftigen Person gezahlt, wobei das Brutto-Pflegeunterstützungsgeld 90 Prozent des ausgefallenen Netto- Arbeitsentgeltes betragen soll.

Die Pflegezeit bietet pflegebedürftigen Angehörigen die Möglichkeit, sich für bis zu 6 Monate unentgeltlich, vollständig oder teilweise, von der Arbeit befreien zu lassen. Um den Lebensunterhalt besser bestreiten zu können, besteht hierbei in Zukunft ein Rechtsanspruch auf ein zinsloses Darlehen, das direkt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt werden kann.

Die Familienpflegezeit, die dem Arbeitnehmer eine Reduzierung der Mindestarbeitszeit auf bis zu 15 Stunden für maximal 24 Monate ermöglicht, kann künftig durch einen Rechtsanspruch geltend gemacht werden. Wie bei der Pflegezeit, kann auch in diesem Fall ein zinsloses Darlehen beantragt werden.

Eine weitere Verbesserung besteht darin, dass demnächst ein Rechtsanspruch darauf besteht, schwerstkranke Angehörige in der letzten Lebensphase für bis zu drei Monate zu begleiten. Diese Möglichkeit besteht unabhängig davon, ob der nahe Angehörige in häuslicher Umgebung gepflegt wird oder sich beispielsweise in einem Hospiz befindet. In der Regel wird diese Zeitspanne auf die Familienpflegezeit angerechnet.

Generell sind die Änderungen zu begrüßen, da Sie einen Beitrag zu der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf leisten. Gerade die Möglichkeit sowohl die Pflege- als auch die Familienpflegezeit zu kombinieren, kann viele individuelle Versorgungssituationen besser gestalten. Dennoch möchten wir klar zum Ausdruck bringen, dass die Verbesserungen nicht umfangreich genug sind, um Berufstätigen die Pflege eines Angehörigen zu vereinfachen.

Basierend auf unseren Erfahrungen ist deutlich, dass pflegende Angehörige häufig den Bedarf nach einem flexibel einzusetzenden freien Stundenkontingent haben. Diese Stunden werden beispielsweise für Arztbesuche, Behördengänge oder andere Termine und Tätigkeiten benötigt, die rund um die Versorgung des Pflegebedürftigen anfallen. Aktuell müssen die Betroffenen hierfür häufig Urlaubstage einsetzen oder angefallene Überstunden abbauen.

Um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf besser zu ermöglichen, müssten diesbezüglich weitere Regelungen für pflegende Angehörige aufgestellt werden. Hierbei wäre es zudem zu begrüßen, wenn auch Angehörige einen Anspruch haben, deren Pflegebedürftige stationär untergebracht sind.

Verbesserungen durch die Pflegereform

Um eine Verbesserung der Pflegesituation in Deutschland zu erreichen, hat die Bunderegierung das Thema Pflege als einen wichtigen Schwerpunkt benannt Es sollen insgesamt fünf Milliarden Euro mehr pro Jahr zur Verfügung gestellt werden, wodurch die Leistungen für Pflegebedürftige verbessert werden können.

Bereits im Januar 2015 soll die erste Stufe der Pflegereform in Kraft treten, die mehr Leistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mit sich bringen wird. Um die Leistungsverbesserung zu finanzieren soll der Beitragssatz der Pflegeversicherung parallel in einem ersten Schritt um 0,3 Prozentpunkte auf 2,35 Prozent und 2,6 Prozent für Kinderlose ansteigen. Die vorgesehenen Leistungsverbesserungen werden mit den Einnahmen aus 0,2 Prozentpunkten (2,4 Milliarden Euro jährlich) finanziert. Davon fließen 1,4 Milliarden Euro in Verbesserungen für die Pflege zu Hause und 1 Milliarde Euro stehen für Verbesserungen in Pflegeheimen zur Verfügung. Außerdem wird ein Pflegevorsorgefonds angelegt, welcher einen künftigen Beitragsanstieg abmildern soll, wenn die geburtenstarken Jahrgänge – etwa ab dem Jahr 2030 – das Pflegealter erreichen.

Im Rahmen der zweiten Stufe werden die Beiträge zur Pflegeversicherung nochmals um 0,2 Prozentpunkte angehoben. Durch diese beiden Beitragssatzerhöhungen stehen insgesamt fast fünf Milliarden Euro mehr für Verbesserungen der Pflegeleistungen zur Verfügung. Die Leistungen der Pflegeversicherung können dadurch um etwa 20 Prozent ausgeweitet werden.

Um die Veränderungen umzusetzen, soll eine Änderung von bestehenden Strukturen erfolgen. Diesbezüglich erfolgte bereits im Juni 2013 eine konkrete Ausgestaltung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes in Deutschland. Diese sieht mitunter vor, dass das bisherige System von drei Pflegestufen durch fünf „Pflegegrade“ ersetzt wird. Neben körperlichen Einschränkungen werden auch Einschränkungen einbezogen, die etwa bei Demenzkranken häufig vorkommen, was dazu beitragen soll, dass der individuelle Unterstützungsbedarf jedes Pflegebedürftigen besser erfasst wird. Um das neue Begutachtungsverfahren wissenschaftlich zu überprüfen wurde seitens des BMG im April 2014 die Zustimmung für eine Erprobungsphase mit zwei Modellprojekten gegeben. Nachdem das Personal des MDK angemessen geschult wurde, sollen die neue Form der Begutachtung in allen Bundesländer erprobt werden. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff soll bereits in dieser Legislaturperiode eingeführt werden.

Auch wenn die geplanten Veränderungen durchaus als positiv zu bewerten sind, ist es fraglich, ob die für die Realisierung notwendigen Aktivitäten durch die Bundeländer zeitnah erfolgen werden. Bereits während der letzten Pflegereformen wurde die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes angekündigt, was Zweifel daran aufkommen lässt ob die Einführung im Verlauf dieser Legislaturperiode tatsächlich umgesetzt wird. Des Weiteren ist zu befürchten, dass die Vielzahl der Leistungen und die diversen Kombinations- und Abrechnungsmöglichkeiten aufgrund ihrer Komplexität sowohl Anbieter als auch potenzielle Nutzer abschrecken könnte. Nicht außer Acht zu lassen ist zudem der organisatorische Aufwand zur Umstellung auf die neuen Regelungen, der für die Pflegeanbieter hohe Belastungen bedeutet.

Abschließend ist somit festzuhalten, dass es richtig und notwendig ist, neue Leistungen für Pflegebedürftige einzuführen. Welche Leistungen genau die neue Pflegereform mit sich bringt, wird hier demnächst vorgestellt werden. Die Vorgehensweise zur Einführung der neuen Regelungen sollte optimiert werden, um die Reformen zeitnah umzusetzen und auch den Umstellungsaufwand zu minimieren.

Mehr Transparenz bei Pflegeheimen in 2014

Einige Änderungen durch das Pflegeneuausrichtungsgesetz,das zu großen Teilen bereits im letzten Jahr in Kraft getreten ist, sind erst im Jahr 2014 wirksam geworden. Es handelt sich um Änderungen, die Pflegebedürftigen und deren Angehörigen künftig mehr Transparenz in Bezug auf die Auswahl eines Pflegheims bieten.

Hiernach sind vollstationäre Einrichtungen seit Beginn des Jahres dazu verpflichtet, im Anschluss an eine Regelprüfung  darüber zu informieren, wie die ärztliche, fachärztliche und zahnärztliche Versorgung sowie die Versorgung mit Arzneimitteln in dem Pflegeheim geregelt sind. Zudem sollen die Einrichtungen darauf hinweisen, ob Kooperationsvereinbarungen mit Ärzten und Apotheken bestehen oder ob eine Einbindung in ein Ärztenetz besteht.

Diese Informationen können für die Betroffenen wichtige Kriterien für die Auswahl eines geeigneten Heimplatzes darstellen, da neben der kontinuierlichen Versorgung durch einen Hausarzt die Möglichkeit einen Facharzt zeitnah zu konsultieren von entscheidender Bedeutung ist.

Die Pflegekassen sind in diesem Kontext laut Gesetz dazu verpflichtet, sicherzustellen, dass die genannten Informationen künftig in einer leicht verständlichen und übersichtlichen Form abgerufen werden können.

Die Transparenz zur Qualität von Pflegeanbietern in Deutschland ist nach wie vor sehr begrenzt. Deswegen ist jeder weitere Schritt zu mehr Transparenz ein wichtiger. Trotz allem müssen in Zukunft noch weitere Maßnahmen eingeführt werden, damit Pflegebedürftige und ihre Angehörigen eine bessere Einsicht in die Qualität der Pflegeanbieter erhalten. Das wird auch dazu führen, dass sich die Qualität in Pflegeeinrichtungen erhöht.

Erfolgsfaktor Familie

Als eine gemeinsame Initiative des Bundesfamilienministeriums und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages versteht sich das bundesweite Netzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ als eine Plattform für Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen, die sich für eine familienbewusste Personalpolitik interessieren, oder sich bereits dafür einsetzen.

Immer mehr große und kleine Unternehmen entscheiden sich dazu, ihre Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen. Das Netzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ möchte diese Unternehmen durch eine Mitgliedschaft motivieren und das Thema Familienfreundlichkeit in der Öffentlichkeit stärker in den Fokus rücken.

Mitglieder des Netzwerks können zum Beispiel auf Informationen und Ansprechpartner rund um das Thema  familienbewusste Personalpolitik zurückgreifen und Ideen und Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf austauschen. Relevante Themen sind zum Beispiel betriebliche Kinderbetreuung oder die Gestaltung familienbewusster Arbeitszeiten.

Besonders das Thema Pflege und Beruf, welches bei vielen Unternehmen noch ein Tabu-Thema ist, wird durch eine Kommunikation innerhalb des Netzwerks stärker in das Bewusstsein der Unternehmen gerückt. Außerdem können Unternehmen innerhalb des Netzwerks auf zahlreiche Anregungen und Informationen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zugreifen.

Auch im Hinblick auf den Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte spielt Familienfreundlichkeit eine große Rolle. Eine Mitgliedschaft bei Erfolgsfaktor Familie ermöglicht den Unternehmen, sich gegenüber qualifizierten Arbeitnehmern zur Familienfreundlichkeit zu bekennen.

Kostenlos Mitglied werden können alle Unternehmen, die sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen und sich selbst zu einer familienfreundlichen Personalpolitik bekennen. Aktuell hat das Netzwerk knapp 4.800 Mitglieder deutschlandweit.

Nach Einführung der Pflegereform am 1.1.2013: Erhöhte Leistungen bringt einigen Betroffenen Entlastung aber weitere Verbesserungen sind notwendig

Seit dem 1. Januar 2013 gelten die Neuregelungen nach dem Pflegeneuausrichtungsgesetz. Das Kernstück der Pflegereform sind die verbesserten Leistungen für Demenzkranke in der häuslichen Pflege. Demnach erhalten Menschen mit sogenannter eingeschränkter Alltagskompetenz, zusätzlich zu dem bisherigen Betreuungsgeld, auch Sach- oder Geldleistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. So bekommen demenzkranke Menschen, die von Angehörigen gepflegt werden, ein Pflegegeld in Höhe von 120 Euro pro Monat – auch wenn keine Pflegestufe vorliegt. Wird ein Pflegedienst in Anspruch genommen, werden dafür 225 Euro von der Pflegekasse monatlich zur Verfügung gestellt. Liegt zusätzlich eine Pflegestufe 1 oder 2 vor, stehen Demenzkranken erhöhte Leistungen zu.

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass Pflegende mit demenzkranken Angehörigen durch die erhöhten finanziellen Leistungen durch die Pflegereform eine große Entlastung erfahren. Sie können Unterstützung in Anspruch nehmen, die sie vorher nicht bezahlen konnten. Für einzelne ist es besonders wichtig, auch mal eine Auszeit von den Pflegetätigkeiten zu  haben. Die Leistung „Verhinderungspflege“ ist für solche Situationen vorgesehen. Sie kann jetzt auch ohne Pflegestufe in Anspruch genommen werden. Einige pflegende Angehörige sind damit in der Lage, eine Ersatzpflegeperson für bestimmte Zeiten zu organisieren.

Um grundlegende und nachhaltige Verbesserungen für Pflegebedürftige und deren Angehörige herbeizuführen, reichen die bisherigen Neuregelungen der Pflegereform allerdings nicht aus. Vor allem pflegende Angehörige benötigen zunehmend Unterstützung, um die anstrengende Pflege langfristig gewährleisten zu können. Problematisch ist zudem, dass die Aufklärung und das Wissen über die neuen Leistungen der Pflegereform nicht hinreichend sind. Viele pflegende Angehörige und Betroffene wissen nicht, dass sie eigentlich Anspruch auf die erhöhten Leistungen haben und gehen im Zweifel leer aus.

Unterstützende Angebote, wie zum Beispiel Tagespflegeeinrichtungen oder Kurzzeitpflegen, schaffen bereits eine gute Grundlage, um den zunehmenden Bedarf an Betreuung und Pflege zu decken. Was fehlt, sind Pflegekräfte die eine qualitativ hochwertige Pflege und Betreuung gewährleisten können. Immer weniger Männer und Frauen sind bereit, einen Beruf in der Pflege zu erlernen. Eine Aufwertung des Pflegeberufs ist zur (Neu-) Gewinnung qualifizierter Pflegekräfte daher unumgänglich.

Amiravita fordert mehr Unterstützung für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf durch die Politik

Die Familienpflegezeit hat keine Entlastung für Arbeitnehmer mit pflegebedürftigen Angehörigen gebracht. Das Freistellungs-Modell, das seit Januar 2012 besteht, ist weder für Arbeitgeber noch für betroffene Arbeitnehmer attraktiv, so dass weniger als 200 Unternehmen die Familienpflegezeit in den ersten 12 Monaten eingeführt haben.

Neue Maßnahmen seitens der Politik, die die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ermöglichen, sind deswegen dringend notwendig.

Im Rahmen des Demografiegipfels, der im Mai in Berlin stattfand, regte SPD-Vize-Chefin Manuela Schwesig eine verbesserte Familienpflegezeit an. In Anlehnung an die Elternzeit soll es auch eine bezahlte Familienpflegezeit geben, so Manuela Schwesig.

Die SPD entwickelt derzeit ein sogenanntes 1000-Stunden-Modell, nachdem für entgangenen Lohn ein finanzieller Ausgleich geschaffen werden soll. Angehörige könnten so eine bestimmte Zeit pflegen, und würden vom Staat auch eine finanzielle Unterstützung erhalten.

„Wir sehen das Problem des entgangenen Lohns als ein großes Hindernis zur Inanspruchnahme der Familienpflegezeit“, sagt auch Dr. Nicola Rodewald von Amiravita. Eine Förderung durch den Staat, um den Lohnausfall zu begleichen, ist deswegen eine notwendige Maßnahme, um zu gewährleisten, dass sich auch Berufstätige um ihre pflegebedürftigen Angehörigen kümmern können. „Das  deutsche Gesundheitssystem ist auf die Mithilfe und Pflege durch Angehörige angewiesen. Anders kann der steigende Pflegebedarf in Deutschland überhaupt nicht abgedeckt werden“, ergänzt Rodewald.

Steigerung des Familienbewusstseins bei deutschen Arbeitgebern

Eine Wiederholungsbefragung zum berufundfamilie-Index zeigt: das betriebliche Familienbewusstsein der deutschen Unternehmen ist seit 2007 gestiegen.

Im Jahr 2007 ergab der Indexwert für das Familienbewusstsein nach einer Umfrage unter rund 1.000 Unternehmen 63 Punkte, wobei 100 Punkte „sehr familienbewusst“ bedeutet. Im März 2013 ist der Punktwert bereits auf 67 Indexpunkte gestiegen.

Zurückzuführen ist die Steigerung des Familienbewusstseins auf eine Einsicht der Unternehmen, dass eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie notwendig ist und zur langfristigen Zufriedenheit der Mitarbeiter beiträgt. Mitarbeiter von Unternehmen, die sich gezielt dem Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf widmen, weisen im Vergleich zum Durchschnitt aller Unternehmen eine 14 Prozent höhere Motivation auf, sowie eine 13 Prozent höhere Produktivität. Ein hohes betriebliches Familienbewusstsein senkt die Fehlzeiten- und Krankheitsquote und trägt zu einer höheren Qualität der Bewerber und Bewerberinnen bei.

Viele Unternehmen sind sich bereits der positiven Effekte auf wesentliche betriebswirtschaftliche Kennzahlen bewusst. Allerdings zeigt der ermittelte Indexwert von 67, dass es noch viel Luft nach oben gibt. Noch nicht alle Arbeitgeber haben das Potenzial einer familienfreundlichen Personalpolitik erkannt. Vorallem die Unterstützung von Mitarbeitern mit pflegebedürftigen Angehörigen (Eldercare) wird noch in wenigen Unternehmen aktiv umgesetzt. Umso mehr freut es uns, dass wir mit unseren innovativen Dienstleistungsangeboten zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf unsere Kunden bei diesem wichtigen Thema  im Rahmen der Familienfreundlichkeit unterstützen können.

Was ist der berufundfamilie-Index?

Der berufundfamilie-Index bietet Arbeitgebern die Möglichkeit, das Familienbewusstsein ihres Unternehmens zu messen und mit anderen zu vergleichen. Ein Index von 0 bedeutet „gar nicht familienbewusst“ und ein Index von 100 „sehr familienbewusst“. Entwickelt wurde dieses Bewertungssystem vom Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik (FFP)  im Auftrag der berufundfamilie gGmbH und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Familienpflegezeit wird kaum in Anspruch genommen

Die Anfang 2012 eingeführte Pflegezeit für Familien findet bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern kaum Anklang. Weniger als 200 Mitarbeiter haben das Angebot zu einer Auszeit für die Pflege von Angehörigen in den ersten zwölf Monaten genutzt.

Das ursprüngliche Ziel der Familienpflegezeit ist, Arbeitnehmern zu ermöglich,  sich besser um Pflegebedürftige in der Familie kümmern zu können und so Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Betrachtet man die über 4 Millionen Pflege- und Hilfsbedürftigen die zu Hause oder von ambulanten Pflegediensten versorgt werden, erscheint die Pflegezeit für Angehörige eine sinnvolle Idee zu sein.

Ganz offensichtlich sind die Bedingungen der Familienpflegezeit nicht attraktiv genug, um viele Nutzer zu werben – weder unter den Arbeitgebern noch unter den Arbeitnehmern: Es gibt sehr viele pflegende Angehörige, die gerne mehr Zeit für ihre pflegebedürftigen Verwandten hätten. Aber für viele pflegende Angehörige ist es nicht ausreichend, wenn sie über mehrere Jahre nur einen Teil ihres Lohns erhalten. Sie können sich die Familienpflegezeit aus finanziellen Gründen nicht leisten. Für Arbeitgeber stellt der administrative Aufwand eine Hürde dar. Einige Unternehmen entwickeln ihre eigenen Programme und verzichten auf die Hilfe vom Staat.

Auch wenn die Intention, eine Familienpflegezeit einzuführen, gut war, wurden die Ziele leider nicht erreicht.

Was ist die Familienpflegezeit?

Laut Gesetz können Beschäftigte ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren, um pflegebedürftige Angehörige zu versorgen. Während dieser Zeit zahlt der Arbeitgeber ein höheres Gehalt, also eine Art Lohnvorschuss, der nach dem Ende der Pflegezeit wieder ausgeglichen wird. Bisher konnten sich Arbeitnehmer zwar auch eine Auszeit von bis zu sechs Monaten für die Pflege nehmen, allerdings nur bei komplettem Gehaltsverzicht.